Das eVoting Experiment während der diesjährigen ÖH-Wahl war ja auf der ganzen Linie eine Schande für die Veranstalter (Minister Hahn und bmwf). Das zeigt sich nicht nur an der schlechten Umsetzung, dem abstrusen technischen Konzept dieser Wahl, der breiten Kritik oder der extrem geringen Wahlbeteiligung (1 %), sondern auch noch an den Patzern die zuletzt noch passiert sind.

Das schlagkräftigste Argument gegen den Einsatz von eVoting oder Wahlcomputern ist, meiner Meinung nach, das Kriterium der Nachvollziehbarkeit einer Wahl. Die demokratische Legitimität einer Wahl besteht darin, dass Jeder und Jede ihre Stimme frei abgeben können und das Ergebniss die simple Summe dieser einzelnen Entscheidungen ist. Die Möglichkeit der Überprüfbarkeit ist hier ein zentrales Element. Egal welches Alter, welche geistigen Fähigkeiten oder speziellen Kenntnise jemand hat, wie es zu der Entscheidung kommt muss nachvollziehbar sein! Das ist eine der Anforderungen an jede Wahl in unserm Rechtsstaat, neben der Allgemeinheit und Geheimhaltung (welche auch nicht garantiert wird).

Der Patzer auf den ich hier aufmerksam machen will ist fast zu lächrelich um darüber zu reden, aber noch darf man das ja. Das installierte System baut darauf auf, dass alle abgegebenen Stimmen einen Prüfcode bekommen mit dem die Wähler in einem öffentlichen Register nachprüfen könen ob die eigene Stimme auch gezählt worden ist. Eben dieses öffentliche Register wurde nun viel zu spät und ohne zu funktionieren online gestellt. Wenn man auf die offizielle Seite für die ÖH-Wahl geht findet man ein funktionsloses Formular für den Prüfcode. Es Funktioniert zwar noch nicht, ist aber online und für ein abgeschicktes Formular findet sich folgender Code:

<script type="text/javascript">
function chkFormular () {
  if (document.Formular.p_IDpart.value == "" || document.Formular.p_IDpart.value.length < 5) {
    alert("Beschreibung wie der Code aufgebaut sein muss. ziffer. groß/klein buchstaben min. 5 max. 10,...<br/>
<br/>
");
    document.Formular.p_IDpart.focus();
    return false;
  }
}
</script>

Dieser Code wirft natürlich einen Fehler:

unterminated string literal: https://oeh-wahl.gv.at/Content.Node/34137.php (Line 194)

bei jedem Aufruf der Seite.

Ich bin glücklich, wenn man diesen missglückten Versuch eingesteht und unsere Politik daraus lernt. Computerunterstütztes Wählen ist einfach keine gute Idee und es spricht auch kein glaubhaftes Argument dafür. Viele technische Experten, darunter Professoren der TU, und alle zu wählenden Parteien in diese Wahl, waren gegen dieses Experiment. Hoffentlich waren das die letzten 2.161 elektronisch abgegebenen Stimmen!

Für ein paar theoretische Möglichkeiten wie ein Wahlsystem manipuliert werden kann empfehle ich diese Ressource.

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Sigint-logo-new#sigint09 war der Hashtag meiner letzten Reise. Mit dem Flugzeug von Wien nach Köln um bei meiner ersten Chaos Computer Club (CCC) Konferenz dabei zu sein. Ich habe mich für meinen Aufenthalt dort zum Couchsurfing entschieden. Von 40 Couchsurfing-Requests bekam ich erstaunliche 6 Zusagen. Es funktioniert also!

Die Rakete landete im Mediapark, dem technologie Viertel von Köln. Sigint stand für Signal Interrupt oder Signal Inteligence. Das Thema waren einerseits geplante Überwachungsmaßnahmen des deutschen Staates und andererseits die Schnittstellen und Interdependenzen zwischen Technik und Gesellschaft. Das Konzept traf also ziemlich genau meine Interessen und den Nerv der Zeit. Die Qualität der Vorträge war erstaunlich gut und wurde dem Thema gerecht.

Das feine an solchen kleineren und neuen Veranstaltungen, ist die Offenheit und Zugänglichkeit. Man kann im Grunde mit allen Anwesenden Kontakt aufnehmen, egal wie bekannt oder unbekannt der Name ist. Der Einzige, bei dem ich das auch schon vorab im Sinn hatte war Tim Pritlove. Der Mann liegt mir seit Jahren mit seinem CRE im Ohr und war meine Einstiegsdroge in den Dunstkreis des CCC. Neben einem warmen Händedruck hab ich ihm vorgeschlagen mal ein Hörertreffen in Wien zu machen, er stimmte zu.

Die Vorträge wurden ihrem Titel meist gerecht und waren stimmig zueinander. Themen wie Überwachung, neue Möglichkeiten des Protests, Open Goverment und Alternativen zum klassischen Copyright wurden in ihrer Vernetztheit mit Gesellschaft und Technik dargestellt. So war für jedeN etwas dabei und das „Andocken“ wurde leicht gemacht. Ziel der Sigint war es ja auch eigentlich ein Event „für die Community“ zu sein, also die allgemeine Relevanz der Themen des CCC aufzuzeigen und damit der Öffentlichkeit näher zu bringen. Ein Unterfangen, dass ich als wahnsinnig wichtig empfinde. Schließlich ist es die Aufgabe von ExpertInnen, wie der Club sie vereint, die Öffentlichkeit über die Laien-Politik zu informieren. Dieser Bildungsauftrag war mitunter ein Grund für diese neue Konferenz.

Vielleicht fragen sich manche schon wieso ich als Österreicher auf dieser Kölner Konferenz mit starkem Deutschland Bezug war. Diese Themen halten nicht vor nationalstaatlichen Grenzen und innerhalb der EU gibt es eine Tendenz zur Reglementierung und Aufhebung der Netzneutralität. Wenn Deutschland in diesen Themen um fällt, dauert es in Österreich auch nicht mehr lange bis DNS-Sperren oder Deep-Packet-Inspektion kommen. Außerdem fehlt es in Österreich an einer Organisation, die mit dem Chaos Computer Club vergleichbar wäre bzw. der sonstigen NGO-Landschaft, die sich in Deutschland zu diesen Themen engagiert (AK-Zensur, AK-Voratsdatenspeicherung, netzpolitik.org, …). Dies ist auch ein Feld in dem ich mich über persönliche Betroffenheit hinaus mehr engagieren werde!

Mit dieser Öffnung des Clubs und seiner stärker werdenden politischen Arbeit gehen auch Ängste innerhalb des Vereins einher. Je mehr politisches Gewicht eine Organisation bekommt, umso leichter gerät sie auch ins Fadenkreuz der Behörden. Dabei geht es nicht um illegale Aktionen wie neue Hacks o.ä., sondern darum der Öffentlichkeit zu zeigen was heute schon mit ihren Daten möglich ist. Diese Datenlecks passieren sowieso und werden auch in Skandalen, wie dem Verlust von 17 Millionen Kundendaten der Telekom öffentlich. Die Mehrheit der Bevölkerung lässt sich von diesen Skandalen leider trotzdem nicht in ihrem fehlenden Bewusstsein für die eigene Privatsphäre beirren. Deshalb ist es notwendig neue Wege zu gehen und einer davon ist für mich ganz klar, mehr Öffentlichkeitsarbeit. Die Themen der Hackerkultur waren von Beginn an Privatsspähre, Selbstkompetenz und Netzneutralität. Mit der Popularität des Internets und seiner Integration in fast alle Lebensbereiche, sind diese Themen in den Mainstream gerückt. Nur ist die Hackerkultur und die Computerkompetenz, die sie ausmacht, klar noch nicht im Mainstream angelangt, wird sie vermutlich auch nie. Aber eben um dieser Hürde zu überbrücken brauchen wir neue Mittel und Wege zu Informieren und uns Verständlich zu machen. Die SIGINT war ein Teil davon!

Wir haben es geschafft!

Das WS 2008 ist beendet.
Wir haben es erfolgreich abgeschlossen!

Erfolgreich deshalb, weil jene Mehrheit welche die Studieneingangsphase nicht überlebt, meist keine notiz von dieser imaginären Hürde nimmt. Eigentlich ist ja wirklich nichts schlechtes daran sich umzuentscheiden, gerade als junger Mensch könnte man glauben ist es besonders gut und gern gesehen, wenn man viele Dinge ausprobiert. Schließlich sugeriert uns die Wirtschaft dieser Tage sowieso, das wir nehmen müssen was noch zu kriegen ist. Wieso vermischt sich hier Sieg mit Bitterkeit. Wieso hab ich immer öfter das Gefühl mich vor Gleichaltrigen für meinen Ehrgeiz schähmen zu müssen?

Ich spreche von dem Phänomen der „DropOut“-Quote einer statistischen Kennzahl, der in diesen Tagen sehr viel Bedeutung beigemessen wird. Diese Prozentzahl jener Studierenden, die sich ohne Abschluss von ihrer Studienrichtung imatrikulieren, versucht mein Institut, die Kultur- und Sozialanthropologie in Wien, unter den Erstsemestrigen besonders hoch zu halten. Grund dafür ist, dass die Mittelzuteilung zu den Instituten im besonderen Maße von deren „schnellen Abschlüssen“ abhängt. Gemeint ist damit wer seine Ausbildung in der Minimumzeit +1 tolleranz Semester beendet. Also hop hop schnell schnell durch das Studium rauschen und diesen unproduktiven Zustand möglichst schnell hinter sich lassen. Das errinert mich an einen Satz aus diessemestriger Pflichtliteratur:

„Je mehr die Sozialstruktur Freiräume für Reflexion anbieten kann, desto stärker können sich individuelle Reflexionskapazitäten entwickeln und umgekehrt.“
(Wissenschaftstheorie für Einsteiger;  Schülein/Reitzer; Wiener Universitäts Verlag; 2002; S. 20)

Do we, as anthropologists, have anything specific to offer to help humankind understand the varieties of its experience of the world? Can the style of knowledge that we have developed over time be transposed beyond the particular circumstances that have presided over its birth and the culturespecific concepts that we have inherited from this historical genesis? Are we reluctant imperialists riding the waves of globalisation and trying to peddle half-heartedly our used wares to people who have no real need for them, or do we still have a contribution to make to a non-ethnocentric understanding of the human condition? I think we do.

Philippe Descola 2005. On anthropological knowledge.