UPDATE:
Es gibt jetzt auch ein Video zur Pressekonferenz: http://vimeo.com/5626566

Am vergangenen Mittwoch ergab sich für mich eine ungewöhnliche Gelegenheit. Manfred Krejcik, auch bekannt als Netwatcher, hat mich eingeladen zu einer Pressekonferenz der Wiener ÖVP mit zu kommen. In meiner Rolle als Auszubildender bei Radio Orange ging es ihm darum mir einen Einblick in das Geschäft des Journalismus zu geben. Ich nenne es auch gerne: „die Produktion von Wahrheit“.

Zugegen waren Wissenschaftsminister und Wiener Landesparteiobmann Johannes „Gio“ Hahn und dem JVP Bundesobmann Sebastian Kurz passender weise im Café di Gio. Thema der Pressekonferenz war ein träumerischer Vorstoß der ÖVP die U-Bahnen Wiens am Wochenende rund um die Uhr fahren zu lassen. Dieses typische Oppositionsthema hat mich bei der ÖVP etwas verwundert, anscheinend funktionieren die Strategien der Bundesebene hier in Wien nicht so gut. Auf die Finanzierung des Projekts wurde zuerst gar nicht und auch durch Nachfragen der Journalisten nur sehr wage eingegangen. Scheint in dieser Sache wohl nicht so wichtig zu sein.

Überhaupt wurde sehr wenig von den Journalisten gefragt und mein Eindruck war, dass nicht besonders kritisch vorgegangen wird. Die präsentierte Information wird verarbeitet, verpackt und gesendet.

Dies war nicht mein erster Face to Face Kontakt mit ÖVP Funktionären. In einer Diskussion zum EU Verfassungsvertrag seinerzeit war ich im Palais Ferstl mit Wolfgang Schüssel und bei einer Sonderführung durchs Parlament hatte ich mal mit meinem HTL Jahrgang eine Fragestunde mit Andreas Kohl. Ich muss zugeben, beide Persönlichkeiten waren einprägsamer als Gio Hahn und bei beiden Gelegenheiten fand ich wichtigere Fragen als in dieser Pressekonferenz.

Das Thema wieso Manfred Krejcik und ich dort an getanzt sind war aber natürlich nicht die U-Bahn, sondern E-Voting. Manfred hat die Gelegenheit der PR-Kampagne genutzt und ausgehandelt Minister Hahn auch mit ein paar Fragen aus dem Netzpolitik Segment Löchern zu können. Ich war dabei weil ich zu diesem Thema einen Blogpost geschrieben habe mein Interesse klar machen konnte.

Ich würde Hahns Verhalten als gekonntes nicht-zurück-rudern bezeichnen. Er wollte uns nichts eingestehen, aber hat seine Aussage zu technikfeindlichen e-Voting Gegnern wenigstens nicht wiederholt. Leider glaube ich, dass wir von ihm noch weitere elektronische Wahlen zu befürchten haben. Auch mein Argument, dass eine elektronische Wahl für die Mehrheit der Bevölkerung einfach nicht nach zu vollziehen ist, nahm er mehr oder weniger nicht zur Kenntnis.

Mein persönliches Résume ist gemischt positiv. Ich fand es aufregend mal bei einer Pressekonferenz dabei zu sein, aber nur weil mich dieses Setting fasziniert. Klassischer Journalismus ist bestimmt nichts für mich. Aber der großteil unserer Medien wird ja davon geprägt, also finde ich es gut diesen Leuten mal in die Karten zu schauen. Mein Informationskanal soll losgelöster von tradierten Strukturen sein und eher den Menschen mit seinen Erfahrungen in den Mittelpunkt stellen. Aber mehr dazu bald…

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